Wissenswertes über unsere Nikolaikirche

Lange Zeit galt 1471 als Baujahr unserer Kirche. Zurück geht diese Datierung auf die in unserem Taufstein eingemeißelte Jahreszahl. Dieser Taufstein trennte bis zur umfangreichen Neugestaltung des Innenraums als Folge des Kirchenbrandes im März 1949 Chor und Kirchenschiff. Seit im Rahmen der Außenrenovierung der Kirche von 2006 bis 2008 auch dendrochronologische Untersuchungen an den beim Kirchenbau verwendeten Balken durchgeführt wurden wissen wir, dass der Turm als ältester Bauteil der Kirche um 1417; der Chor um 1459; und das Kirchenschiff um 1473 errichtet wurden.

Von diesen 3 Bauteilen ist der spätgotische Chor mit Abstand der schönste und wertvollste und für eine Dorfkirche ein ungewöhnliches Juwel. Er wurde vom damals renommiertesten Kirchenbaumeister in Württemberg Aberlin Jörg entworfen. Als Zeichen seiner Urheberschaft hat er uns sein Familienwappen im Kreuzgewölbe des Chors hinterlassen. Nach dem bereits erwähnten Kirchenbrand erhielt der Chor 1950 mit den leuchtenden Buntglasfenstern nach einem Entwurf von Wolf Dieter Kohler, neuer Orgel und neuem Altar seine heutige Ausstattung.

Im Kirchenschiff fallen die 12 Bilder eines im 17. Jahrhundert entstandenen Passionszyklus ins Auge, die bis zum Kirchenbrand an der heute nicht mehr vorhandenen unteren Empore angebracht waren. Der Künstler dieser Bilder ist uns nicht bekannt. Wir wissen aber, dass die Kupferstiche von M. Merian d .Ä. aus dem Jahr 1627 die Vorlage für die Motive gaben.

Auch die Reformation hat ihre Spuren in unserer Kirche hinterlassen. Schon wenige Jahre nach ihrer Einführung wurde um 1600 der im Chor vorhandene Hochaltar durch einen schlichteren Altar ersetzt. Über ihm befand sich das beim Kirchenbrand gerettete und heute über der Kanzel angebrachte wertvolle Kruzifix. Nicht überlebt hat den Brand jedoch die ebenfalls an dieser Stelle vorhandene Orgel samt Empore. Im Kirchenschiff wurden um 1550 Bänke eingebaut und ab 1557 die für den zahlreichen Gottesdienstbesuch erforderlichen zusätzlichen Emporen. Ergänzt wurde diese Ausstattung durch die für die Predigt notwendige Kanzel rechts neben dem Chorbogen. Alle diese Einbauten mussten bei der umfangreichen Restaurierung und Umgestaltung nach dem Kirchenbrand erneuert werden. Seit 1950/51 zeigt sich der Kircheninnenraum mit neuer Kanzel und neuer Empore in seinem heute bekannten Bild.

Von den 4 Glocken auf unserem Turm wurde die älteste und mit einem Gewicht von 780 kg zweitgrößte Glocke bereits 1497 gegossen. Der Guss der mit 1480 kg fast doppelt so schweren größten Glocke erfolgte kurze Zeit später im Jahr 1552. Trotzdem musste sie wegen ihres Materialwertes 1942 als kriegswichtiges Gut abgeliefert werden. Umso größer war die Freude, als sie 1947 im Hof einer westfälischen Gießerei entdeckt wurde und unbeschädigt nach Aidlingen zurückgebracht werden konnte.

Neben diesem kurzen Streifzug durch unsere Kirche kann man bei intensiverer Betrachtung noch viele weitere interessante Einzelheiten entdecken; z. B. im Rahmen einer Kirchenführung (Kontakt über das Pfarramt; Tel. 5250).